Wenn man frühmorgens vom Bahnhof Nagoya in Richtung Osten abfährt, entfaltet sich die Landschaft vor dem Fenster nach und nach – von städtischen Gebäuden über ländliche Hügel bis hin zur Silhouette der Nordalpen, die sich am Horizont schemenhaft abzeichnet. Etwa dreieinhalb Stunden später, wenn die Höhe zunimmt und die Luft frisch und kühl wird, öffnet sich vor dir das Tor zu Kamikochi.
Der Bus kommt am Busbahnhof Kamikochi an, und von hier aus beginnen dreieinhalb Stunden, in denen du ganz nach Belieben durch die Gegend schlendern kannst. Kein Grund zur Eile, kein Grund zur Sorge – dieses geheime Hochland, durch das sich der Azusa-Fluss sanft schlängelt, wartet darauf, dass du es in deinem eigenen Tempo erkundest.
Dein erster Halt könnte der Taisho-Teich sein. Dieser See, der durch den Ausbruch des Mount Yake im Jahr 1915 entstanden ist, strahlt noch immer die einzigartige Ruhe eines Vulkankratersees aus. Die noch stehenden toten Bäume an der Oberfläche sind Relikte vergangener Zeiten und bieten je nach Lichtverhältnissen – Morgennebel, Mittag, Sonnenuntergang – ganz unterschiedliche malerische Anblicke. Das Wasser ist wie ein Spiegel, in dem sich der Berg Yake und die Hotaka-Gipfel spiegeln – dort, wo Himmel und Erde in Symmetrie stehen.
Geh auf dem Weg am rechten Ufer des Azusa-Flusses entlang in Richtung Tashiro-Teich. Dieser 40-minütige Waldweg führt durch die Dunkelheit eines Nadelwaldes, wo ab und zu Licht durch die Äste und Blätter dringt. Der Tashiro-Teich ist ein flaches Feuchtgebiet, das im Mai wie ein grüner Teppich aussieht, im Oktober goldene Blätter zeigt und im Spätherbst von einer dünnen Eisschicht bedeckt ist – jeder Schritt fühlt sich an, als würdest du auf der Haut der Jahreszeiten laufen.
Weiter Richtung Norden wartet nicht weit vor uns die Kappa-Brücke still und leise. Das ist das symbolträchtigste Wahrzeichen von Kamikochi. Von der Brücke aus wirkt die Bergkette der Hotaka-Gipfel zugleich schroff und sanft, und das Wasser des Azusa-Flusses ist so klar, dass es fast durchsichtig ist.
Wenn du noch Energie hast, solltest du in Erwägung ziehen, auf dem Weg am linken Ufer weiter in Richtung Myojin-Teich zu gehen. Diese 60-minütige Wanderung führt durch den Wald von Konashidaira und über die Überreste des Murgangs von Shimosawasawa, während der Berg Yake immer vor dir aufragt. Der Myojin-Teich ist das heilige Gelände des Okumiya des Hotaka-Schreins. Der Teich ist ruhig und spiegelglatt, im Wald singen Wildvögel, und am Ufer hängen Stinkkohlpflanzen herab.
Bevor du zurückgehst, vergiss nicht, einen Blick auf die Hotaka-Gipfel zu werfen. Der Berg Okuhotaka – Japans dritthöchster Gipfel, der mit Titeln wie „Japans 100 berühmte Berge“ und „100 berühmte Blumenberge“ geehrt wurde – ist der stille Wächter dieses Hochlands. Und der Yake, der einzige aktive Vulkan in den Nordalpen, stößt entlang des Bergrückens immer noch sanft Rauch aus und erinnert uns daran, dass das Land unter unseren Füßen noch immer lebt.
Gegen 15 Uhr fährt der Bus vom Busbahnhof zur Rückfahrt ab. Du bist voller Vorfreude gekommen; du gehst mit vielen Fotos und Erinnerungen im Gepäck. Um 19 Uhr heißen dich die Lichter des Bahnhofs Nagoya wieder willkommen und markieren das Ende einer eintägigen Bergtour im Neonlicht der Stadt. Das ist nicht nur ein Tagesausflug, sondern eine kurze Symbiose mit den Japanischen Alpen. Wir freuen uns darauf, euch auf dieser unvergesslichen Reise zu treffen!